Betway ist neuer Sponsor bei Fußball-Zweitligist St. Pauli

      Betway ist neuer Sponsor bei Fußball-Zweitligist St. Pauli

      Direkt ins Herz: Betway steigt bei St. Pauli ein

      Der Hamburger Fußball-Zweitligist hat einen neuen Sponsor. Der Sportwettenanbieter steigt mit sofortiger Wirkung beim Traditionsklub ein und dehnt damit sein Engagement in Deutschland aus – auch Union Berlin, Eintracht Braunschweig, Dynamo Dresden und der Karlsruher SC arbeiten mit dem Wettanbieter zusammen. Mit St. Pauli unterschrieb man einen Vertrag über drei Jahre ab der Saison 2016/17 und zählt nun zur zweithöchsten Sponsorenkategorie des Kiezklubs und zahlt etwa 300.000 Euro pro Jahr.


      Ein neuer Sponsor am Millerntor: Betway steigt beim FC St. Pauli ein. Foto: Rainer Lesniewski – 304076327/Shutterstock.com

      „Wir sind begeistert, mit dem FC St. Pauli zusammenarbeiten zu dürfen“, erklärte Anthony Werkman, der Leiter Marketing &Operations bei Betway. „Es wird mit Sicherheit eine aufregende Saison für den Verein.“ Der Kiezklub sei einer der beliebtesten Klubs Deutschlands und auch weit über die Landesgrenzen bekannt. Bei den Briten ist die Partnerschaft mit dem FCSP der logische nächste Schritt in einer klar erkennbaren Strategie, nachdem man mit Karlsruhe, Dresden, Braunschweig und Union schon andere Zweitligisten mit großer Tradition, großem Renommee und großer Fanbasis im Portfolio hat. Auch in England ist man nicht etwa bei den Hochglanz-Klubs wie ManCity oder Chelsea am Start, sondern unterstützt als Hauptsponsor den Traditionsverein West Ham United.

      Die 2006 gegründete Betway Group ist ein Anbieter in den Bereichen Sportwetten, Casino, Bingo und Poker. Sie hält Lizenzen in Großbritannien, Malta, Italien, Dänemark, Spanien, Belgien, Deutschland und Irland. Firmensitze gibt es auf Malta und der britischen Kanalinsel Guernsey, die weder Teil Großbritanniens noch der EU ist. Für Sportwetter geschickt: Betway gehört zu den Anbietern, bei denen unkomplizierte Zahlung mit Paypal möglich ist.


      Das Millerntorstadion, die Heimat des FC St. Pauli. Toleranz und Offenheit werden hier großgeschrieben. Foto: aldorado – 314538266/Shutterstock.com

      St. Pauli freut sich über „Top-Anbieter aus dem Mutterland des Wettens“

      Aber nicht nur die Briten, auch der FC St. Pauli äußerte sich erfreut über den Deal mit dem Wettanbieter. „Wir freuen uns, einen der Top-Wettanbieter aus dem Mutterland des Wettens für uns gewonnen zu haben“, lässt sich Martin Drust, Paulis Marketingleiter, auf der klubeigenen Homepage zitieren. Betway ordnet sich ein in der zweithöchsten Sponsorenkategorie der Braun-Weißen. Diese nennt sich „Herz von St. Pauli“. Darüber gibt es nur noch den Ausrüster Under Armour und den Hauptsponsor congstar. Neben dem britischen Wettanbieter befinden sich das Fashionlabel Levi’s, die Hamburger Biermarke Astra und der Energydrink „ok.“ in dieser Kategorie. Sie zahlen alle um die 300.000 Euro pro Jahr. Bei der Vertragsunterzeichnung mit dem „ok.“ wurde zudem bekannt, dass der Brausehersteller eine Aufstiegsklausel im Vertrag hat – das heißt, wenn es für den Kiezklub in die Bundesliga geht, muss der Sponsor mehr zahlen. Ob der Dreijahresvertrag mit Betway ähnliches beinhaltet, ist nicht bekannt, jedoch gut möglich.

      Wie die Fans auf die Partnerschaft mit dem Wettanbieter reagieren werden, steht indes in den Sternen. Sponsoren müssen sich bei St. Pauli, einem Klub, der für Tradition, Offenheit und Toleranz steht und sich dafür einsetzt, einer strengen Prüfung unterziehen lassen. So gab es aus verschiedenen Gründen schon Diskussionen um Premium-Sponsor „ok.“ sowie Ausrüster Under Armour.

      Sponsorenkritik in St. Pauli: Under Armour und „ok.“ unter Fan-Beschuss

      Beim amerikanischen Sportartikel etwa folgte der Aufschrei im Oktober 2015, als der Ausrüstervertrag mit St. Pauli schon seit drei Monaten lief. Die Hamburger Morgenpost hatte die Frage ins Spiel gebracht, wie die Marke überhaupt zum für Toleranz und friedlichen Umgang stehenden Kiezklub passen würde. Immerhin habe Under Armour in den USA ein martialisches Image, rüstet Jäger, Polizisten und Militärs aus. Zudem stehe das Unternehmen der Waffenlobby nahe. Es folgte ein regelrechter Shitstorm in den sozialen Netzwerken. Einhellige Meinung der Fans: St. Pauli und dieser Killer-Ausrüster? Das passt nicht zusammen! Die Anhänger erklärten, sie seien entsetzt und erwarteten, dass der Deal wieder abgegeben wird. Jemand schrieb: „Das geht gar nicht und passt so gut zusammen wie der Papst auf’n Kiez“.


      Under Armour will zu einer Weltmarke werden. In den USA besitzt man einen zweifelhaften Ruf. Foto: August_0802 – 393490783/Shutterstock.com

      Noch immer sind die Fans nicht einverstanden, immer wieder gibt es Beiträge auf der Facebookseite, die die Diskussion am Leben erhalten. Der Klub äußerte sich zum Thema nie öffentlich, gab nur bekannt, dass man vom neuen Partner sehr angetan ist. „Wir haben sehr offen und transparent diskutiert und Dinge angesprochen,“ meinte Paulis Vizepräsident Joachim Pawlik nach einem Besuch in der Unternehmenszentrale in Baltimore nur. Ob zu den „Dingen“ auch der zweifelhafte Ruf von Under Armour zählt, sagte er allerdings nicht.

      Dosenbier in den falschen Farben – für St. Paulis Fans ist das Nationalismus

      Fan-Wut gab es auch schon gegen Energydrink-Sponsor „ok.“, der ein Produkt herausbrachte, was Teile der Anhängerschaft überhaupt nicht „ok“ fanden. Zur EM produzierte man nämlich Dosenbier im Deutschland-Look in schwarz-rot-gold. Für Teile der sehr linksliberal orientierten Fanszene am Millerntor ein No-Go. Die Fangruppierung „Kommando Thomas Ebermann“ rief sogar zum Boykott der Dosen auf, wenn „ok.“ diese nicht vom Markt nehmen würde und stellte dem Sponsor ein Ultimatum bis zum EM-Start. Zitat der Facebook-Page der Ultragruppe: „In Zeiten von Pogromstimmung und nationalem Taumel werden wir nicht das Branding abgeben, um eure Produkte am Markt zu platzieren und die Kunden generieren, die gegen alles stehen was den FC St. Pauli für uns ausmacht.“ Der Getränkefabrikant ließ sich auf das Spielchen allerdings nicht ein. Man wolle sich keinen Nationalismus unterstellen und werde das Produkt nicht vom Markt nehmen, so das offizielle Statement. Ob „ok.“ einschneidende Umsatzeinbußen aufgrund des Boykotts der St. Pauli Ultras hinnehmen musste, ist derweil nicht bekannt.

      Nationalismus-Vorwürfe wird Betway sich jedenfalls nicht über sich ergehen lassen müssen. Sollte man sich auch keine anderen Eskapaden zuschulden kommen lassen, könnte sich die Partnerschaft zu einem Gewinn für beide Seiten entwickeln. Schließlich kann St. Pauli das Geld gut gebrauchen, nach zwei Spielen in der zweiten Liga ist das Punktekonto immer noch leer. Der Auftaktpleite beim VfB Stuttgart folgte am Samstag ein 0:2 gegen Eintracht Braunschweig. Im Moment muss sich also zumindest kein Sponsor am Millerntor große Gedanken darüber machen, wie er die Aufstiegsklausel bezahlen soll.

      Fotoquellen:
      Rainer Lesniewski – 304076327 / Shutterstock.com
      August_0802 – 393490783 / Shutterstock.com

      Tippspielkönig in der Kreisoberliga NVP/RÜG (11/12,12/13,13/14, 14/15) :king :king :king :king
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